Editorische Grundsätze

Der Tagebuchtext

 

Der immense Umfang des Beneke-Tagebuchs und die Heterogenität der zum Tagebuch gehörenden Beilagen sowie der Umstand, daß das Gesamtcorpus abgesehen von einigen wenigen Seiten bislang unveröffentlicht ist, ließ es geraten erscheinen, die Publikation in mehreren Teilschritten vorzunehmen, um das Werk in einem zeitlich vertretbaren Rahmen abschließen zu können. Am Anfang steht die hier vorliegende Buchausgabe. Sie erscheint in vier Abteilungen, deren Abgrenzung voneinander sich an biographischen und historischen Zäsuren orientiert und die infolgedessen die Zeiträume 1792 – 1801, 1802 – 1810, 1811 – 1816, 1817 – 1848 umfassen. Der Buchfassung folgt eine digitale Ausgabe. Während erstere im Interesse der Lesefreundlichkeit auf einen textkritischen Kommentar verzichtet, wird letztere mit sämtlichen textkritischen Angaben und überdies mit komfortablen Suchfunktionen versehen sein. Im Anschluß daran wird der Kommentar veröffentlicht, und zwar in Anbetracht der ungeheuren Fülle zunächst sukzessive online.

Unter diesen Voraussetzungen war es notwendig, die Buchfassung der Edition typographisch und gestalterisch so anzulegen, daß dem Leser ein möglichst präziser, authentischer Eindruck des Originals vermittelt und gleichzeitig eine quasi sich selbst erklärende Textgestalt vorgelegt wird, der den Verzicht auf textkritische Anmerkungen kompensiert.

Der Wortlaut wird demnach zeichengetreu unter Berücksichtigung bedeutungstragender Eigenheiten der handschriftlichen Gestaltung wiedergegeben. Auch werden Benekes Zeichnungen und Skizzen aus dem Tagebuch an entsprechender Stelle als Faksimile abgebildet. Im Interesse der Lesefreundlichkeit werden nur diejenigen Streichungen und Korrekturen im Druck als solche wiedergegeben, die inhaltlich bedeutsam oder zum Verständnis notwendig sind (z. B. Doktor Heise seine ausgelassene, u. doch v. Gott verlassene Tochter). Marginal fortgeführte Sätze und supralineare Ergänzungen wurden stillschweigend in den Text eingefügt. Wo Beneke jedoch einen Kommentar auf dem Seitenrand plaziert oder eine Fußnote setzt, wird der Befund entsprechend wiedergegeben.

Bereits in der Buchausgabe folgen Unterstreichungen und Sperrungen dem Original; eine signifikant größere Schrift wird als solche wiedergegeben. Wörter, die Beneke in Fraktur oder anderer besonders gestalteter Handschrift auszeichnet, finden sich kursiv abgedruckt. Nicht berücksichtigt wurde der Wechsel von deutscher in lateinische Schrift, wo er sich aus der damaligen Konvention ergibt, fremdsprachliche Texte, Lehnwörter oder aus einer Fremdsprache entlehnte Wortteile in lateinischen Buchstaben zu schreiben. Wo der Schriftwechsel bei Beneke dagegen der Hervorhebung dient, werden die lateinisch geschriebenen Worte und Namen durch Kursive wiedergegeben.

Unleserliche Wortteile sind mit einem [?] gekennzeichnet, Konjekturen werden in der für herausgeberische Zusätze reservierten Schrifttype (z. B. Herr Rode) wiedergegeben und nicht mehr entzifferbare ganze Wörter durch [unleserlich] ersetzt. In Fällen, in denen es zu Textverlust z. B. durch beschädigtes Papier oder Tintenflecke gekommen ist, wird der Befund mit einem Stichwort beschrieben. Raum, der von Beneke für nachzutragende Informationen freigelassen, aber später nicht gefüllt wurde, wird mit [absichtliche Lücke] vermerkt.

Die Orthographie sowohl in Benekes Texten als auch in denen seiner Korrespondenten wird  in ihrer ganzen zeittypischen Heterogenität, mit wechselnder Groß- und Kleinschreibung, unterschiedlichen Wortabständen bei Komposita (u. a. mit großen BinnenBuchstaben) und der oftmals eigenwilligen Interpunktion genau nach Vorlage wiedergegeben. Eine noch so behutsame Modernisierung hätte nach Ansicht der Herausgeber den Tagebüchern und ihren Beilagen mehr von ihrer Individualität und ihrem Zeitkolorit genommen, als dies durch die Übersetzung in Typographie zwangsläufig der Fall ist.

Benekes sprachlogische Fehler, Verschreiber und Inkonsistenzen, auch sein manchmal ungenauer Umgang mit der französischen und englischen Sprache wurden nicht korrigiert. Egalisierende Eingriffe erwiesen sich allerdings dort als unumgänglich, wo die Interpretation des Schriftbefundes zu keiner eindeutigen Lesart führt: So verwendet Beneke für die Konsonanten b, d, f und l nicht nur klar als Groß- und Kleinbuchstaben identifizierbare Formen, sondern auch eine dritte Schreibweise, die er sowohl für Groß- als auch für Kleinschreibung benutzt. Als Entscheidungshilfe für den Umgang mit dieser dritten Buchstabenform konnten einige Texte vergleichend herangezogen werden, die auch als Druck vorliegen. Demzufolge wurden die Anlaute von Eigennamen, Substantiven und Satzanfängen grundsätzlich mit einem Großbuchstaben wiedergegeben, ausgenommen den Fall, daß Beneke einen eindeutigen Kleinbuchstaben schreibt.

In den ersten Jahren des Tagebuchs numeriert Beneke die Seiten mappenübergreifend, also fortlaufend durch; erst später beginnt jeder einzelne Jahrgang mit einer ersten Seite. Im Druck stehen die Seitenzahlen marginal, während ein senkrechter Strich innerhalb einer Zeile | das Ende einer Seite markiert. Beginnt die neue Seite mit einem neuen Absatz, fällt dieser Strich weg. Auf der inneren Marginalspalte findet der Leser die originale Seitenzahl. Außer der originalen Seitenzahl sind auf der inneren Marginalspalte Querverweise auf im Text erwähnte und in den Beilagen erhaltene Schriftstücke angebracht (z. B. B 1798, 12).

Wo Beneke eine Seitenzahl oder einen Monatsbeginn vergessen hat, wurde die fehlende Angabe in eckigen Klammern ergänzt. Als Kopfzeile jeder Seite führt Beneke den Monat und das Jahr auf. Diese Kopfzeile ist – abgesehen von wenigen Fällen in den frühen Tagebuchjahrgängen, wo Beneke zusätzlich die einzelnen Lagen durchlitteriert – im Druck weggelassen worden; zumal der Zweck einer einfachen zeitlichen Orientierung durch die lebenden Kolumnentitel am Seitenende des Drucks erfüllt wird.

Der Zeilenfall wurde nicht berücksichtigt. Infolgedessen entsprechen Worttrennungen nur dann dem Original, wenn innerhalb eines Wortes ein Seitenwechsel stattfindet, nicht aber am Zeilenende. Dort, am Zeilenende, verzichtet Beneke oftmals auf einen Satzpunkt, der von den Herausgebern ergänzt wurde, wo es für das Verständnis des Textverlaufes nötig erschien. Der Gebrauch der Anführungszeichen wurde heutiger Praxis angeglichen. Weggefallen ist dadurch die zeittypische Wiederholung der Anführungszeichen bei wörtlicher Rede am Beginn jeder Zeile.

Ein durch schnellen Schreibfluß verschliffenes Wortende wird stillschweigend ergänzt, ebenso der Artikel „die“ um das ab und zu nicht erkennbare „e“ zur korrekten Schreibweise vervollständigt. Der Geminationsstrich wird ebenfalls stillschweigend aufgelöst. Die Suspensionsschleife wird in der Druckfassung nicht durch ein Sonderzeichen abgebildet, sondern vielmehr die jeweilige Abkürzung durch einen Abkürzungspunkt wiedergegeben.

Die vorkommenden Währungszeichen für (Reichs-)Taler und Mark werden wie im Original durch das entsprechende, seinerzeit auch im Buchdruck verwendete Symbol dargestellt, während Gulden, gute Groschen und Kreuzer von Beneke nur mit der gebräuchlichen Abkürzung durch Buchstaben notiert werden und demnach ihre Wiedergabe als fl., ggr. und xr. finden. Der Tagebuchtext ist insgesamt reich an Abkürzungen, die der Leser in den meisten Fällen mühelos selbst auflösen kann; darüber hinaus steht im Anhang dieses Bandes ein Verzeichnis der gängigsten beneke-spezifischen Abkürzungen zur Verfügung.

Eine Besonderheit stellen die von Beneke benutzten Geheimzeichen dar. Glücklicherweise ist es gelungen, das dahinter stehende System zu erkennen und die Texte zu entschlüsseln. Der Leser findet diese Stellen in von senkrechten Strichen eingefaßten |V|e|r|s|a|l|i|e|n| abgedruckt.

Beneke verzeichnet in seinem Tagebuch die abgesandten und eingegangenen Briefe mit Nummern, aber auch mit speziellen Zeichen oder Buchstaben. Diese finden sich genau nach Vorlage in der Marginalspalte sowie auf dem dazugehörigen Dokument in den Beilagenteilen, sofern das Schriftstück erhalten geblieben ist. Ein marginales Zeichen kann aber auch die Markierung eines besonderen Ereignisses innerhalb des Tagebucheintrags bedeuten.

 

Beilagen und Anlagen

 

Der vierte Band der vorliegenden Abteilung umfaßt Anlagen und Beilagen. Als Anlagen zu einem Tagebuchjahrgang wurden Texte mit engem Bezug zum Tagebuch aufgenommen, die ursprünglich nicht oder nicht sicher zum Tagebuchbestand gehört haben, jedoch wichtige Aufschlüsse zum Verständnis des Tagebuchtextes bieten. Dies gilt z. B. für Benekes Jugendbriefe und -gedichte, die heute in einem anderen Teil des Nachlasses eingeordnet sind, oder für Druckschriften, die dem Leser nicht ohne weiteres zur Hand sind, auf die Beneke jedoch im Tagebuch immer wieder bezugnimmt.

Die Beilagen bestehen aus Schriftstücken, die Beneke zwischen die Seiten des Tagebuchs gelegt oder selbst zu Konvoluten zusammengefaßt hat. Hierher gehören außerdem solche Dokumente, die ursprünglich im Tagebuch lagen, postum aber herausgezogen und anderwärts abgelegt und nunmehr zurückgeordnet wurden; schließlich solche Briefen, die aus anderen Archivbeständen stammen, aber die vorhandene Korrespondenz zu Briefwechseln vervollständigen, und hier insbesondere Benekes eigene Briefe. In einigen wenigen Fällen, wo ein Text sowohl als handschriftliches Konzept als auch im Druck vorliegt, schien es wünschenswert, beide Fassungen parallel abzudrucken. Dies ermöglicht einen direkten Vergleich und macht Benekes Arbeitsweise nachvollziehbar.

Die Wiedergabe dieser Schriftstücke folgt denselben Editionsgrundsätzen wie die des Tagebuchtextes. Einzig bei den Druckschriften wurde davon insofern abgewichen, als die Textauszeichnungen (Sperrungen, Kursive, Versalien) vollständig dem Originalbefund folgen.

Die Dokumente der Anlagen und Beilagen sind im wesentlichen chronologisch angeordnet. Wo kein eigentliches Entstehungsdatum genannt ist oder zu ermitteln war, ist das Datum ausschlaggebend, an dem das Dokument im Tagebuch erwähnt wird, also Beneke vom Inhalt Kenntnis erhält. Da die von Beneke selbst aus mehreren Schriftstücken gebildeten Konvolute grundsätzlich im Zusammenhang erhalten bleiben sollten, ließ es sich in einigen wenigen Fällen nicht umgehen, von der chronologischen Abfolge abzuweichen.

Jedem Schriftstück vorangestellt sind eine Dokumentnummer und ein knappes Regest:

 

24   [Georg Oelrichs an FB, <Hamburg>, 19. April 1801; zum 21. April 1801. Fundort: Tb. 1801]

 

Die Dokumentnummer wurde aus praktischen Gründen jahrgangsweise fortlaufend vergeben. Das Regest enthält die üblichen Angaben (Verfasser, ggf. Adressat, Ort und Datum der Abfassung) entsprechend dem Schriftstück. Wo diese Angaben indirekt ermittelt worden sind, stehen sie in spitzen Klammern; wo sie nicht zu eruieren waren, ist dies ebenfalls vermerkt. Darüber hinaus stellt ein zweites Datum den Bezug zum zugehörigen Tagebucheintrag her. Außerdem wurden in die Regesten jene Hinweise aufgenommen, die in anderen Editionen einem textkritischen Kommentar vorbehalten sind, also Bemerkungen zu formalen Besonderheiten, Beschädigungen, Zusätzen von fremden Schreibern sowie ggf. zur Überlieferungsgeschichte.

Der Fundort verzeichnet, wo das Schriftstück heute aufbewahrt wird. Dabei sind folgende Siglen zu beachten: Tb. 1809 bedeutet, daß das Dokument zwischen den Seiten des Tagebuchjahrgangs 1809 liegt, Tb. 1809 Bt., daß es in dem von Beneke selbst angelegten Beilagenteil des betreffenden Jahrgangs zu finden ist. Eine einfache Signatur (wie z. B. C 34) bezieht sich auf den Familiennachlaß Beneke im Staatsarchiv Hamburg; die Kombination aus Bestandsname und Signatur (wie z. B. Nachlaß Perthes I,28) verweist auf einen Bestand des Staatsarchivs Hamburg. Alle übrigen Provenienzen werden vollständig, also auch mit Nennung des Archivs bzw. der Bibliothek angegeben.

Bei Konvoluten leitet ein übergeordnetes Regest die Wiedergabe der zusammen gehörenden Dokumente ein:

 

[Konvolut aus zwei Schriftstücken von Georg Oelrichs]

 

 

Ansonsten erhält jedes Schriftstück sein Regest, dem jeweils eine Nummer vorangestellt ist, die seine Zugehörigkeit zu dem betreffenden Konvolut und seine Position innerhalb des Konvoluts bezeichnet.

 

 

26  [–:1. Georg Oelrichs an FB, Hamburg, 26. April 1801; zum 26. April 1801. Fundort: Tb. 1801]

 

27  [–:2. Georg Oelrichs: Promemoria, Hamburg, 26. April 1801; zum 26. April 1801. Fundort: Tb. 1801]

 

Die formale Gestaltung strebt an, die originale Struktur des Dokuments nachvollziehbar zu machen, wozu die Position der Gruß- und Schlußformel wie des Datums und der Anrede gehört. Einzig die handschriftlichen Vermerke über Empfang oder Beantwortung eines Schreibens oder über den Tagebuchbezug wurden unabhängig von ihrer tatsächlichen Position auf dem Schriftstück in der Zeile unterhalb des Regests zusammengefaßt. Das Vorhandensein von Siegel und Poststempel sowie die Adresse werden durchgängig am Ende eines Briefes aufgeführt, wobei der Zeilenfall der Adresse durch Schrägstriche gekennzeichnet ist.  Besonders schöne Siegel werden faksimiliert, Schmuckränder und ähnliche Dekorationen des Briefpapiers dagegen im Regest beschrieben.

 

Textfeld: Beneke–Edition

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