Schriften

Beneke war ein vielseitig interessierter und gebildeter Mensch – ganz im Sinne des bürgerlichen Selbstverständnisses seiner Zeit. Seinen wachsenden beruflichen und gesellschaftlichen Verpflichtungen trotzte er regelmäßige Stunden ab, die er einer ausgedehnten Lektüre widmete. Über seinen Bildungshorizont und seine Interessen sind wir durch die Tagebücher und den Auktionskatalog seines Büchernachlasses unterrichtet. Darüber hinaus betätigte er sich schriftstellerisch und als Kartograph. Einige seiner Studien und Aufsätze wurden publiziert, die Mehrzahl jedoch ist nur handschriftlich überliefert. Teils waren sie für den privaten Gebrauch bestimmt, teils mangelte es Beneke an Zeit, ein Projekt bis zu Ende auszuarbeiten.

 

Die Schriften Benekes geben noch einmal in konzentrierterer Form Auskunft über sein Denken. An einigen Manuskripten hat er oft und über längere Zeiträume gearbeitet, andere beschäftigen sich mit Themen, die sich leitmotivisch durch seine Tagebücher ziehen: (1) Reisen, (2) Geographie und Geschichte, (3) Religion und (4) Stellungnahmen zu politischen Fragen der Zeit.

 

1.          Reisen und Reiseentwürfe für andere

 

Beneke war ein passionierter Reisender. Die Reisebeschreibungen, die in den Tagebüchern überliefert sind, erreichen bisweilen literarische Qualitäten. Seit etwa 1800 arbeitete Beneke aber auch Reiserouten für Freunde und Bekannte aus. Er bewies darin ein feines Gespür für effektvoll inszeniertes Reisen, das die zeitgenössischen Vorstellungen vom Reisen als einer Verbindung von romantischem Naturerlebnis, Bildung und Erholung widerspiegelt. Wann immer es sich einrichten ließ, führte er „seine“ Reisenden in das touristisch noch wenig bekannte Weserbergland auf Wegen, die zu großen Teilen der heutigen „Straße der Weserrenaissance“ oder der „Märchenstraße“ entsprechen.

In den Reiseplänen tritt eine große Vielfalt von Reiseformen zutage. Dabei steht die zehntägige Erholungsreise zur „Bückeburger Klus“ neben der veritablen Grand Tour, wie sie etwa der Hamburger Kaufmann Peter Keetmann 1810 unternahm und die ihn über Braunschweig zum Harz, über Wörlitz nach Leipzig und Dresden, über Weimar und Gotha nach Frankfurt/M., rheinabwärts von Mainz bis Koblenz, dann über Marburg und Kassel zum vierwöchigen Kuraufenthalt in Pyrmont führte und von dort nach Amsterdam über Bremen zurück nach Hamburg – überwiegend durch Gegenden also, die Beneke selbst in früheren Jahren bereist hatte.

Neben den Wegbeschreibungen und Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten sowie Gasthöfe, Hotels und Wirtshäuser enthalten die Reisepläne oft auch Kurzdarstellungen zur Geschichte und Geographie der bereisten Gegenden und minutiös von ihm selbst ausgearbeitete Karten zum jeweiligen Streckenabschnitt.

32 solcher „maßgeschneiderten“ Reisepläne sind erhalten. Obschon Beneke bestimmte Versatzstücke immer wieder benutzte (nicht ohne sie vorher zu aktualisieren), entstanden die Reisepläne fast immer in enger Absprache mit denen, die sie in Auftrag gaben, so dass die Entwürfe mitunter auch einen Einblick in die Reisevorbereitungen gewähren.

Die eigenen Reisen wie die Reisepläne für andere stehen in engem, wechselseitigem Verhältnis mit Benekes Interesse an Geographie und Naturkunde, Geschichte und Kartographie. Dieser Zusammenhang ist bereits in dem Aufsatz „Ein Reiseplan“ (1805) mit Händen zu greifen, den Beneke auf Bitten August von Kotzebues für die von ihm herausgegebene und seinerzeit viel gelesene Zeitschrift „Der Freimüthige“ schrieb.

 

 

2.          Geographie und Geschichte, Kartographie

 

In der Folgezeit entstanden weitere Aufsätze zur Geographie Norddeutschlands, die Friedrich Justin Bertuch in seinen „Allgemeinen geographischen Ephemeriden“ abdruckte, sowie ein schmaler Band, der als Auftakt zu einer Reihe von geographischen Essays gedacht war, aber nicht fortgesetzt wurde. Letzterer verhehlt die politischen Konnotationen der Zeit um 1810 nicht, wenn Beneke darin betont, Deutschland sei „unstreitig der herrlichsten Länder eins“, und hinzufügt: „[...] möge Jeder seine Heimath lieben und vorziehen, – aber der Deutsche, der sein Land verachtet, kennt es nicht, oder die Ausländerei hat ihn geblendet!

Angeregt durch Bertuch und Perthes beschäftigte sich Beneke darüber hinaus intensiv mit einem Kartenwerk zu Norddeutschland bzw. (1811/12) zu den nord- und nordwestdeutschen Départements, wozu er umfangreiche Nachforschungen anstellte. Bezeichnenderweise legte Beneke sich darauf fest, auf die Wiedergabe der politischen Grenzen in diesem Kartenwerk zu verzichten. Bedingt durch die wechselvollen Zeitumstände und vor allem Mangel an Geld und Zeit wurde dieses Projekt nie vollendet. Gleichwohl ist ein bemerkenswerter Teil seiner Vorarbeiten erhalten geblieben, die wiederum den Reise-Entwürfen zugute kamen.

Unmut über die französische Herrschaft, hansestädtischer Patriotismus und deutsches Nationalbewußtsein bewegten Beneke dazu, sich mit Geschichte zu befassen – und hier vor allem mit der Geschichte der Hansestädte und dem Herzogtum Sachsen in karolingischer Zeit. So brachte Beneke selbst es in einem Schreiben an den Freiherrn vom Stein zum Ausdruck, mit dem er sich 1819 für die Aufnahme in den Kreis der Gründungsmitglieder der „Gesellschaft für Deutschlands ältere Geschichtskunde“ bedankte.

Zur großen historischen Synthese fehlten Beneke Zeit und Muße. Doch zeigen die umfangreichen chronologischen Tabellenwerke, die er mit den Jahren kompilierte und von denen nur noch Bruchstücke überliefert sind, daß er die Geschichte des Mittelalters nicht nur in deutschen, sondern auch in europäischen Dimensionen im Blick hatte und neben Herrschergenealogien, Haupt- und Staatsaktionen auch die Kultur- und Wissensgeschichte berücksichtigte.

Der Fundus an historischem Wissen über das Mittelalter fand schließlich Eingang in die deutsche Literatur. Denn Beneke gab Friedrich de la Motte Fouqué wiederholt Hinweise auf Stoffe und stellte Materialien für ihn zusammen, die dieser in seinen Dichtungen verarbeitete.

 

3. Religion und Philosophie

 

Beneke setzte sich zeitlebens, wenn auch phasenweise mit unterschiedlicher Intensität, mit religiösen und philosophischen Themen auseinander. Ein frühes Manuskript unter dem Titel „Mein Glaubenssystem“ datiert von 1794 und ist offenkundig von der Freimaurerei beeinflußt. Ab 1806 beschäftigte er sich erneut mit Fragen der Religion. Bis etwa 1820 entstand eine Sammlung von mehrfach überarbeiteten Fragmenten, die er „Gedanken auf BergGipfeln“ betitelte und die – insbesondere wenn man sie zu seinen Tagebüchern in Beziehung setzt – Auskunft über seine persönliche religiöse Entwicklung geben. Hier behandelte er Fragen nach dem Verhältnis von Offenbarung und Vernunft, nach der Beschaffenheit und Unsterblichkeit der Seele, nach dem Tod und der Beziehung zwischen Lebenden und Verstorbenen oder der Beschaffenheit von Träumen; hier legte er seine Ansichten über das Gebet, über Beichte und Abendmahl oder den göttlichen Heilsplan dar.

Beneke wurde wegen seiner anti-rationalistischen Haltung zu einer der Schlüsselfiguren der Erweckungsbewegung in Hamburg. Doch trägt seine Glaubenswelt eklektizistische Züge, die sich einer klaren Zuordnung zu einer theologischen Schule oder einer strikt konfessionellen lutherischen Richtung widersetzen.

 

4.          Politische und juristische Fragen der Zeit

 

Im Allgemeinen bevorzugte es Beneke, im engen Kontakt mit den politischen Entscheidungsträgern oder im Hamburger Bürgerkonvent auf aktuelle Debatten und Probleme Einfluß zu nehmen. Dies geht sowohl aus seinen Tagebüchern als auch aus einer großen Zahl von Manuskripten hervor, die sich in den Beilagenteilen zu den Tagebüchern befinden. Doch griff er auch publizistisch in die Debatten seiner Zeit ein, wenn er es für notwendig hielt. Bekannt sind seine Aufsätze für das von Johann Smidt herausgegebene „Hanseatische Magazin“, während die Beiträge für Cottas „Allgemeine Zeitung“ bislang noch nicht identifiziert werden konnten. Während der napoleonischen Kriege und unmittelbar danach erschienen mehrere Flugschriften von wenigen Druckbogen, wie z. B. die „Ergüsse über das jetzige Verhältniß der Religionen zu dem Deutschen National-Character“ (1809), das „Heer-Geräth für die Hanseatische Legion“ (1813), die „Stimmen eines Hanseaten an die für Europas Ruhe und für Deutschlands Rettung verbundenen Mächte“ (1813) sowie die „Briefe eines hamburgischen Ausgewanderten“ (1814).

Auch nachdem er das öffentliche Amt des Oberaltensekretärs übernommen hatte, ließ er immer wieder Stellungnahmen und Appelle in den beiden führenden Tageszeitungen, dem „Hamburgischen Correspondenten“ und den „Hamburger Nachrichten“, abdrucken, die bislang noch nicht alle identifiziert werden konnten. So griff Beneke 1817 beispielsweise zugunsten des Turnvereins in die öffentlichen Diskussionen ein und 1822 in die Debatten um die Allgemeine Armenanstalt.

Textfeld: Beneke–Edition

Aus dem Reiseplan für Peter Keetmann (1810)

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