Editorische Grundsätze

(Fortsetzung)

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Das Register

 

„Wie viel in einem Buche stekt erkennt man erst durch ein Register, dieses beweist die Nothwendigkeit es zu besizen und erhöht seinen Werth,“ schrieb Alexander von Humboldt in einem Brief an Johann Georg von Cotta 1853. Das Register der Beneke-Tagebücher umfaßt an die 10.000 Lemmata, davon über 5.700 Personennamen. Es stellt die Referenzen nicht durch Seitenzahlen, sondern nach Tagebuchdaten her und folgt damit nicht allein der für eine Tagebuchedition naheliegenden Logik, sondern übernimmt damit zudem die Systematik von Benekes eigenen Namensregistern. Erwähnungen in den Jahresübersichten Benekes werden darüber hinaus mit Jü. gekennzeichnet. Die Angaben 1792 A B D E bezeichnen die Texte, die Beneke dem Beginn der Tagebucheinträge 1792 vorgeschaltet hat.

Für die in den Beilagenteilen (Bt.) versammelten Dokumente erschien es sinnvoll, drei Referenzen miteinander zu kombinieren, um eine zeitlich eingegrenzte Suche und ein schnelles Auffinden zu ermöglichen. Deshalb folgen auf die Dokumentnummer des betreffenden Jahrgangs in Klammern das Entstehungsdatum und der Tagebuchbezug, sofern vorhanden. Wenn beide Daten zusammenfallen oder nur eines der beiden bekannt ist, steht in der Klammer auch nur ein Datum.

 

Smidt, Johann (1773–1857) Stud. theol.

Jena, Prof. f. Philosophie u. Geschichte

am Gymnasium, 1800 Senator (Bremen)

1792 3.10. 1792 Bt. 18 (–/92) 1793 15.6.

1794 12.3. 1795 31.5. 4.6. 17.10. 18.10. 1796 22.1.

23.1. 30.8.–11.9. 14.9. 25.10. 26.10. 1.11. 6.11. 12.11.

1796 Bt. 14 (19.10.) 15 (3.11.) 1797 12.1. 20.2.–22.2.

24.2. 25.2. 27.2. 28.2. 2.3. 4.3.–8.3. 7.4. 11.4. 14.4.

...

 

Die knappen biographischen Angaben sollen dem Leser ein Hilfsmittel an die Hand geben, sich der Identität einer Person zu vergewissern und sich vor Veröffentlichung des Kommentars durch die enorme Fülle von Benekes Kontakten zu finden. Wo immer es möglich war, informiert das Register deshalb über die Lebensdaten und die wesentlichen beruflichen Stationen der Männer – zunächst im Zeitrahmen der ersten Abteilung der Tagebücher, also bis kurz nach der Wende zum 19. Jahrhundert –  sowie über die wichtigsten Verwandtschaftsbeziehungen insbesondere der Frauen, deren Biographien im allgemeinen nur schwer erforschbar sind.

 

Widow, Charlotte Henriette (1770–1807)

Tochter von Peter Hinrich W., 1798 oo Caspar

Zeller 1798 9.9. 11.9. 30.9. 22.10. 4.11. s. a. Zeller

 

Nicht alle Personen konnten ermittelt werden, und einige der nur abgekürzt erscheinenden Namen ließen sich nicht eindeutig auflösen. Zudem „bestätigt es sich in der Tat, daß nichts schwerer ist, als einfach festzustellen, welche Namen Personen führten, wann und wo sie geboren wurden und wann und wo sie starben,“ wie schon Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ notierte. Um die von Beneke erwähnten Personen zu identifizieren, die Angehörigen großer Familienverbände oder Träger gleichen Namens auseinanderzuhalten, ihre berufliche Stellung zu präzisieren, um Vornamen zu ergänzen oder die Schreibweise eines Namens zu klären, wurden neben gängigen und teils auch entlegenen biographischen Nachschlagewerken Stammtafeln der Genealogischen Sammlungen in den Staatsarchiven Hamburg und Bremen, Kirchenbücher und Adelslexika, Staats- und Hofkalender, Adreßbücher, Universitäts- und Schulmatrikeln, Subskribentenverzeichnisse u. v. a. m. herangezogen. Darüber hinaus wurde in vielfältiger Weise auf zeitgenössische und aktuelle Spezialliteratur zurückgegriffen.

Doch bisweilen ließen sich auch nach intensiver Recherche keine detaillierten Angaben ermitteln. In diesen Fällen beschränkt sich das Register darauf, die Personen mit ihrem Namen und entsprechend dem Familienstand als Herr, Frau oder Fräulein aufzunehmen oder auch den militärischen Rang zu nennen; dazu wird nach Möglichkeit der Ort genannt, an dem die Person lebte oder mit Beneke in Kontakt trat, um eine schnellere Zuordnung zu erleichtern.

 

Fräulein Couderc Tochter von Jean Samuel C.

1801 2.9.

 

Die Namensschreibungen variieren bei Beneke und seinen Zeitgenossen stark, und gerade die Verschriftlichung eines nur gehörten Namens bietet eine Fülle von unterschiedlichen Schreibmöglichkeiten. Deshalb schien es wenig sinnvoll, sämtliche Varianten aus dem Tagebuchtext in das Register aufzunehmen und jeweils durch Verweise untereinander zu verknüpfen. Das Register führt infolgedessen die (mutmaßlich) korrekte oder wenigstens gebräuchlichste Namensform auf, wobei der Lautstand der eigenhändigen Unterschrift Priorität genoß, wenn eine Person mit einem Schriftstück in den Beilagenteilen vertreten ist. Nur stark abweichende und dadurch schwer auffindbare Schreibweisen wie z. B. „Facheroll“ statt „Falguerolles“ wurden mit entsprechendem Querverweis zusätzlich aufgenommen. Die mit C geschriebenen Personen- und Ortsnamen sollten im Zweifelsfall auch unter K gesucht werden (und umgekehrt), ebenso lohnt bei F ein Blick auf V sowie bei I auf J, was auch für Binnenbuchstaben gilt.

Die Aufnahme der Ortsnamen in das Register erfolgte in der Regel in deren heute üblichen Schreibung. Nur bei ausländischen Orten, für die es eine gängige deutsche Bezeichnung gibt, wurde die deutsche verwendet (z. B. „Brüssel“ statt „Bruxelles“). Städte und Dörfer, die zur Zeit Benekes eine selbständige Einheit darstellten, haben dabei jeweils ein eigenes Lemma erhalten. Die heutige Verwaltungszugehörigkeit ist nicht berücksichtigt. So findet man beispielsweise die jetzigen Hamburger Stadtteile Altona, Eppendorf, Hamm usw. nicht unter „Hamburg“, sondern an der entsprechenden Stelle im Alphabet. Dagegen sind die Hamburger Vorstädte Hamburger Berg und St. Georg unter Hamburg zu finden. Zur besseren Orientierung oder zur eindeutigen Identifizierung ist oftmals ein nahegelegener bekannterer Ort hinzugefügt. Aufgenommen wurden ferner Schlösser, Burgen, Landgüter etc., Flüsse und Gebirge sowie Territorien und Staaten – letzteres jeweils in der zum Zeitpunkt der Erwähnung im Tagebuch gültigen Form. Hierbei wird, wo nötig, zwischen der Bezeichnung eines staatlichen Territoriums und einer Landschaft unterschieden. „Westfalen“ beispielsweise erscheint also als (zu Kurköln gehöriges) Herzogtum, als Landschaft bzw. Reichskreis, ab 1807 als Königreich.

Die Fülle der Ortsnamen vermittelt einen Eindruck von Benekes Interesse an den Brennpunkten der europäischen Politik. Vor allem aber spiegelt sich hier seine Leidenschaft für Geographie und Reisen, die sich auch in der Lektüre von Reisebeschreibungen und anderweitiger Literatur niederschlug. Darüber hinaus geben die Ortsnamen ein Bild von der – auch räumlich – ausgedehnten Korrespondenz mit auswärtigen Bekannten und Geschäftspartnern. Insofern umfaßt das Register deutlich mehr Ortschaften, Städte und Staaten als Beneke aus persönlicher Anschauung kannte.

Schließlich enthält das Register Namen von fiktiven Personen, die Romanen, Theaterstücken usw. entstammen. Diese Personen sind dadurch im Register leicht erkennbar, daß dahinter das literarische Werk vermerkt ist, in dem sie vorkommen. Die Belegstellen weisen jede Erwähnung der betreffenden fiktiven Person nach, gleichgültig ob Beneke sich im Tagebuch tatsächlich auf das literarische Werk bezieht oder metaphorischen Gebrauch von dem betreffenden Namen macht, um tatsächliche Personen damit zu charakterisieren. Vor allem aber geben die Einträge einen Einblick in die weitgespannten geistigen Interessen und die Literaturrezeption. Diese Art der Verzeichnung spiegelt zudem wieder, daß Beneke in den Tagebüchern oft auf die Nennung des Autors oder die eindeutige Bezeichnung eines Werks verzichtet und eher auf ein Werk anspielt als daraus zitiert, so daß eine Aufnahme von Werken unter dem Lemma ihres Verfassers oder Komponisten wenig Sinn macht und eine Vollständigkeit suggerieren würde, die wahrscheinlich nicht einmal nach dem Abschluß eingehender Forschungen zu erreichen ist.

Insgesamt haben die Herausgeber angestrebt, mit den genannten Kategorien und Elementen ein Register vorzulegen, daß nicht nur die enorme Textmenge strukturiert und dem Leser Orientierung verschafft, sondern auch eine Art „geistiger Landkarte“ Ferdinand Benekes darbietet.

 

 

 

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